Schön, metzeliger Mittelaltercomic, da wo im kalten Wikingerland die Männer alle große Schwerter und Pelzmäntel tragen und die Frauen knapp sitzende, Copacabana-Bikinis und hoch geschlitzte Lumpen

Wer freute sich nicht über Post, doch man sollte nicht leichtfertig Internetbekanntschaften eingehen, schon gar nicht, wenn Katzen im Spiel sind! Jedenfalls führte Letzteres zu einem Päckchen mit köstlichen Bildbänden, wovon ich heute einen vorzustellen mich genötigt sehe: Den ersten Band mit dem Titel Kriss de Valnor - Ich vergesse nichts! aus der Reihe Die Welten von Thorgal.

Den Text schrieb  Yves Sente, der von Tanja Krämling ins Deutsche übersetzt wurde, die Zeichnungen fertigte Giulio de Vita an und das Cover malte Grzegorz Rosinski. - Ich kannte bis dahin keinen von denen.

Achtzig Seiten hat der Bielefelder Splitter-Verlag drucken lassen, davon sind die letzten den Befragungen der Autoren gewidmet: Es gibt einen Blick in die Ateliers der drei und man hat den Eindruck, dass es sich um einen Haufen fröhlicher Scherzbolde handelt, die mit Freude an der Arbeit dieselbige verrichten.

Das Thorgal-Universum war mir bislang gänzlich unbekannt. Ich mag kein Fantasy, diese ausgedachten Namen, die so schwülstig klingen und doch so simpel sind, dass man keinen Siegmund Freud braucht, um hier kapitale Klatschen zu diagnostizieren.

Ich komme zum Schluss: Kriss de Valnor * Ich vergesse nicht! ist ein hübsches Genrestück, es lässt sich leicht durchblättern, erfordert aber ein stark gefestigtes, christliches Weltbild, um nicht auf dem nächsten Mittelaltermarkt als Gaukler (schauder) anzuheuern oder in einem Kino Schlimmstes anzurichten.

Und um den Bogen zu Hamlet zu schlagen: Während bei Hamlet lange gefragt wurde, „Ja, warum rächt er sich nicht schon im 3. Akt?” stellt sich diese Frage bei der zwielichtigen Heldin Kriss de Valnor eher als „Warum rächt sie sich nicht gleich im ersten Panel?“ 

Mein Dank geht an Herrn Quitzi für diese inspirierende Lektüre. Dem Groben Unfug, der Deutschlands beliebtester Internetkatze seit 13 Jahren Obdach gewährt und ihr einen allzeit vollen Napf beschert. Und dem Splitter-Verlag, der solch aufwendige Bändchen immer noch auf Papier druckt.  (tbc)